Die Erdbeben in Venezuela im Jahr 2026
Was geschah
Am 24. Juni 2026 wurde Venezuela von einer der zerstörerischsten Naturkatastrophen seiner jüngeren Geschichte getroffen.
Innerhalb von nur 39 Sekunden erschütterten zwei schwere Erdbeben den nördlichen Zentralteil Venezuelas. Nach Angaben des U.S. Geological Survey (USGS) hatte das erste Erdbeben eine Stärke von 7,2, fast unmittelbar darauf folgte ein zweites, noch stärkeres Beben der Stärke 7,5. Seismologen bezeichnen diese seltene Abfolge als seismisches Dublett – zwei grosse Erdbeben, die zeitlich und räumlich so nahe beieinander liegen, dass der erste Bruch möglicherweise Spannungen auf eine nahegelegene Verwerfung übertragen und so das zweite Beben ausgelöst hat.
Die Erdbeben ereigneten sich entlang der Grenze zwischen der Karibischen Platte und der Südamerikanischen Platte, wo sich die Platten entlang grosser rechtsgleitender Verwerfungen horizontal aneinander vorbeibewegen. Obwohl Verwerfungsbeben in der Regel keine grossen Tsunamis auslösen, können sie extrem zerstörerische Bodenerschütterungen verursachen, insbesondere wenn sie in geringer Tiefe unter besiedelten Gebieten auftreten.

Karten der Bodenerschütterungen der beiden Erdbeben
Warum die lokale Geologie eine Rolle spielt
Die Schwere eines Erdbebens wird nicht nur durch seine Magnitude bestimmt, sondern auch davon, wo und wie Gebäude errichtet sind.
Die lokale Geologie spielt eine entscheidende Rolle dabei, wie sich seismische Wellen durch den Boden ausbreiten. Weiche Sedimente und lockere Böden können Bodenerschütterungen im Vergleich zu festem Grundgestein verstärken und so die Belastungen für Gebäude während eines Erdbebens erhöhen.
Eines der am stärksten von den Erdbeben des Jahres 2026 betroffenen Gebiete war La Guajira, eine Region, die bereits 1999 von der katastrophalen Vargas-Tragödie heimgesucht wurde, als heftige Regenfälle massive Erdrutsche und Murgänge auslösten, die die Landschaft umgestalteten und zahlreiche Todesopfer forderten.
Im Laufe der Jahre wurden Teile der Region auf Ablagerungen wieder aufgebaut, die diese Erdrutsche hinterlassen hatten. Seismologen und Geotechniker werden nun untersuchen, ob die örtlichen Bodenverhältnisse die Verteilung und das Ausmass der Erdbebenschäden beeinflusst haben. Solche Untersuchungen sind ein fester Bestandteil der Erforschung der Frage, warum manche Gebäude bei ein und demselben Erdbeben weitaus grössere Schäden erleiden als andere.
Erdbebenschäden werden selten von einem einzigen Faktor bestimmt. Vielmehr spiegeln sie die kombinierten Auswirkungen des Erdbebens selbst, der örtlichen Geologie, der Gebäudeplanung, der Bauqualität und der Vorsorge wider.
Eine Katastrophe, deren Folgen weiterbestehen
Neun Tage nach den Erdbeben hält die humanitäre Notlage weiterhin an.
Such- und Rettungsteams arbeiten rund um die Uhr in der Hoffnung, Überlebende unter den eingestürzten Gebäuden zu finden. Mit fortschreitender Zeit sinkt natürlich die Wahrscheinlichkeit, Menschen lebend zu bergen, und der Schwerpunkt der Hilfsmassnahmen verlagert sich allmählich auf medizinische Notfallversorgung, Notunterkünfte, sicheres Trinkwasser, Lebensmittelverteilung und langfristige Unterstützung für die betroffenen Gemeinden. Dennoch werden die Rettungsmassnahmen fortgesetzt, wann immer Grund zu der Annahme besteht, dass noch jemand verschüttet sein könnte.
Viele Gemeinden sind weiterhin mit beschädigter Infrastruktur, unterbrochener Kommunikation und eingeschränktem Zugang zu grundlegenden Versorgungsleistungen konfrontiert. Nachbeben geben weiterhin Anlass zur Sorge, und Ingenieure prüfen weiterhin die Gebäude, bevor die Bewohnerinnen und Bewohner sicher zurückkehren können – sofern es überhaupt noch ein Gebäude gibt, in das sie zurückkehren können. Vorläufige wissenschaftliche Einschätzungen deuten auf weitreichende strukturelle Schäden hin, wobei in einigen Gebieten zusätzliche Gefahren wie Erdrutsche und Bodenverflüssigung bestehen. Die USGS schätzte die Wahrscheinlichkeit schwerwiegender humanitärer Auswirkungen aufgrund der Erdbebenstärken, ihrer geringen Tiefe und der Anzahl der Menschen, die starken Bodenerschütterungen ausgesetzt waren, als hoch ein.
Das volle Ausmass der menschlichen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen wird sich erst in den kommenden Wochen und Monaten vollständig abzeichnen.
Die humanitäre Hilfe
Auch die humanitäre Hilfe stand vor erheblichen Herausforderungen.
Jahrelange wirtschaftliche Not und der Verfall der Institutionen hatten bereits vor den Erdbeben Teile der Infrastruktur und der Katastrophenschutzkapazitäten des Landes geschwächt. In den Tagen nach der Katastrophe berichteten humanitäre Organisationen, Journalisten und Rettungsteams von logistischen und administrativen Schwierigkeiten, die die Hilfsmassnahmen erschwerten. In Berichten wurde zudem von Hindernissen geschrieben, die den raschen Einsatz einiger humanitärer Hilfs- und Katastrophenschutzressourcen beeinträchtigten.
Grosskatastrophen erfordern eine schnelle Koordination, effektive Institutionen und ungehinderten humanitären Zugang. Jede Verzögerung bei der Bereitstellung von Such- und Rettungsausrüstung, medizinischer Notfallversorgung, sauberem Wasser, Unterkünften und humanitärer Hilfe kann schwerwiegende Folgen für diejenigen haben, die auf Rettung oder Unterstützung warten.
Vorläufige Auswertung von Satellitendaten
Eine vorläufige Analyse der NASA schätzt, dass nach den beiden Erdbeben vom 24. Juni in ganz Venezuela etwa 58.870 Gebäude beschädigt worden sein oder eingestürzt sein könnten. Die Schätzung basiert auf einer schnellen Auswertung von Satellitenbildern, mit der das Ausmass der baulichen Schäden in den betroffenen Gebieten ermittelt werden soll.
Die NASA betont, dass es sich hierbei um vorläufige Zahlen handelt, die noch revidiert werden können, sobald weitere Satellitendaten, Vor-Ort-Erhebungen und offizielle Berichte vorliegen. Während die Schadensbewertungen noch andauern, steht eines bereits fest: Tausende Familien benötigen dringend Hilfe. Quelle
So kannst Du helfen
In dieser Phase der Hilfsmassnahmen sind Geldspenden nach wie vor die wirksamste Art zu helfen.
Geldspenden ermöglichen es erfahrenen humanitären Organisationen, die bereits vor Ort im Einsatz sind, dort zu helfen, wo der Bedarf am grössten ist, und sich an die sich verändernde Lage anzupassen. Deine Unterstützung trägt dazu bei, Folgendes bereitzustellen:
• Such- und Rettungsmassnahmen, wo diese noch andauern
• Medizinische Notfallversorgung
• Notunterkünfte
• Sicheres Trinkwasser
• Nahrungsmittelhilfe
• Lebenswichtige Hilfsgüter
• Unterstützung beim Wiederaufbau für betroffene Gemeinden
Wenn Du die Hilfsmassnahmen nach dem Erdbeben unterstützen möchtest, empfehlen wir Dir, direkt an etablierte humanitäre Organisationen zu spenden, die in der Lage sind, wirksam zu helfen.
• HEKS
• Caritas
• Save the Children
• Helvetas
• Swiss Solidarity
• Chaîne du Bonheur
• UNICEF
• UN Crisis Relief
Eine persönliche Nachricht von Katherine Klemenz,
Gründerin und Präsidentin von Mama Tierra
Liebe Freundinnen und Freunde von Mama Tierra
Venezuela braucht jetzt Hilfe.
Ich schreibe diese Nachricht mit schwerem Herzen.
Nach den schweren Erdbeben stehen unzählige Familien vor dem Nichts. Häuser sind zerstört, Menschen werden noch vermisst, Verletzte brauchen medizinische Versorgung, und viele Überlebende haben keinen sicheren Zugang zu Trinkwasser, Lebensmitteln und Hygieneartikeln.
Für mich ist Venezuela kein fernes Land.
Meine Familie stammt von dort. Ich habe dort gelebt und gearbeitet. Ich kenne dieses Land, seine Menschen, seine Stärke, aber auch die grosse Verletzlichkeit, wenn eine Katastrophe ein Land trifft, das schon vorher unter enormem Druck stand.
Darum kann ich nicht einfach zuschauen.
Mama Tierra unterstützt den Spendenaufruf von HEKS für die Nothilfe in Venezuela. HEKS arbeitet seit Jahren mit lokalen Partnerorganisationen vor Ort. Für uns ist besonders wichtig: Wir kennen die verantwortliche Projektleiterin persönlich. Das gibt uns Vertrauen, dass die Hilfe verantwortungsvoll, lokal verankert und dort eingesetzt wird, wo sie jetzt am dringendsten gebraucht wird.
In dieser Phase zählt jede Stunde. Die Hoffnung, noch Menschen lebend aus den Trümmern zu retten, wird kleiner. Umso dringender ist jetzt die Hilfe für die Überlebenden.
Es braucht medizinische Versorgung.
Es braucht sauberes Trinkwasser.
Es braucht Lebensmittel.
Es braucht Hygieneartikel, Decken und Schutz für Familien, die alles verloren haben.
Bitte helfen Sie jetzt.
Jede Spende, ob gross oder klein, ist ein Zeichen: Ihr seid nicht vergessen. Wir sehen euch. Wir helfen.
Spendenaktion: Soforthilfe für Venezuela
https://www.heks.ch/schweres-erdbeben-venezuela-heks-startet-soforthilfe
Von Herzen danke für Ihre Solidarität, Ihre Unterstützung und Ihr Vertrauen.
Katherine Klemenz
Gründerin und Präsidentin von Mama Tierra
Der Weg, der noch vor uns liegt
Die Rettungsarbeiten gehen weiter.
Die Trauer hält an.
Die Ungewissheit hält an.
Manche Wunden lassen sich noch nicht in Worte fassen.
Während dieser neun Tage gab es eine Wahrheit, die man unmöglich ignorieren konnte: den aussergewöhnlichen Mut ganz gewöhnlicher Venezolaner.
In den entscheidenden Stunden nach den Erdbeben, als jede Minute über Leben und Tod entschied, waren es die Anwohner, die mit blossen Händen unermüdlich die Trümmer durchsuchten. Familien suchten nach ihren Angehörigen. Freunde suchten nach Freunden. Nachbarn suchten nach Nachbarn. Sie weigerten sich, die Hoffnung aufzugeben, und arbeiteten trotz der Gefahr unermüdlich weiter, entschlossen, jedes Leben zu retten, das noch zu retten war.
Im Laufe der Tage schlossen sich Feuerwehrleute und Rettungskräfte aus anderen Regionen Venezuelas sowie internationale Such- und Rettungsteams diesen Bemühungen an. Doch für unzählige Familien waren es die Solidarität, der Mut und die Entschlossenheit ganz normaler Bürger, die diese ersten verzweifelten Stunden prägten.
Auch heute noch helfen viele ihren Nachbarn, unterstützen die Rettungskräfte und halten an der Hoffnung fest, dass vielleicht noch jemand lebend gefunden werden könnte.
Wir bei Mama Tierra sind in Gedanken weiterhin bei jeder Familie, deren Leben durch diese Erdbeben für immer verändert wurde.
Ausserdem sprechen wir jeder Bürgerin und jedem Bürger, jedem Freiwilligen, jedem Feuerwehrmann, jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter des Gesundheitswesens, jedem Ingenieur, jedem Piloten, jeder humanitären Organisation und jedem Rettungskräfteangehörigen, die sich unermüdlich für andere eingesetzt hat, unseren tiefsten Dank aus. Euer Mut, euer Mitgefühl und euer unerschütterliches Engagement erinnern uns daran, dass auch in den dunkelsten Momenten der Menschheit die Güte Bestand hat.
Vielen Dank, dass ihr Venezuela zur Seite steht.