Manifest

UNSER MANIFEST
Sozialen Wandel durch
nachhaltige Mode vorantreiben

Mama Tierra wurde gegründet,
um humanitäre Hilfe zu leisten.

Lourdes Grollimund und Katherine Klemenz lernten sich 2013 in der Schweiz kennen, als sie Protestaktionen gegen die Menschenrechtsverletzungen in ihrem Heimatland Venezuela organisierten. Damals machten Aktivisten auf Menschenrechtsverletzungen, Korruption im Justizsystem und die Einschränkung der Pressefreiheit aufmerksam. Die venezolanischen Medien sprechen von der «Hungergeneration», weil die unzureichende Versorgung mit Nahrungsmitteln zu einem hohen Prozentsatz unterernährter Kinder führt. Bis Ende 2021 hat eine Kombination aus Gewalt, Unsicherheit, Hunger und vielen anderen Bedürfnissen mehr als 5,9 Millionen Menschen in Venezuela zur Flucht gezwungen. Es handelt sich dabei um eine der grössten Flüchtlingskrisen der Welt. .

Angesichts der verzweifelten Lage in Venezuela verspürten Lourdes und Katherine das Bedürfnis zu helfen. Gemeinsam mit anderen Menschenrechtsaktivisten und Freunden gründeten sie 2015 die Organisation Mama Tierra, um den Menschen beizustehen, die am dringendsten Unterstützung benötigen. . Das Team konzentrierte sich auf indigene Frauen, da indigene Völker eine gefährdete Minderheit sind, insbesondere indigene Frauen. Seitdem hat es sich Mama Tierra zur Aufgabe gemacht, den sozialen Wandel und die Gleichberechtigung der Frauen an der Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela zu fördern.

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Handel statt Hilfeleistung!

Mama Tierra finanziert seit ihrer Gründung soziale Programme an der Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela. Unser Ziel ist es, durch die Herstellung und den Verkauf von Accessoires die Armut zu bekämpfen und die Gleichberechtigung zu fördern. Nach den Prämissen der Fairtrade-Bewegung aus den 1960er Jahren «Handel statt Hilfeleistung» unterstützt Mama Tierra jeden Monat 120 Menschen.

Unsere Erfahrung zeigt, dass indigene Frauen eher dazu neigen, Arbeit zu suchen, als Sozialprogramme in Anspruch zu nehmen. In solchen Situationen können sich die Menschen als passive Empfänger fühlen, was ihre Handlungsfähigkeit einschränkt und ihr Leben bürokratisiert. Mama Tierra hat sich die Bedürfnisse und Wünsche der Frauen, mit denen wir arbeiten, genau angehört und festgestellt, dass sie am besten durch Zusammenarbeit befriedigt werden können.

Solidarische Wirtschaft

Mama Tierra konzentriert sich auf die Menschen und nicht auf den Gewinn.

60 Millionen Menschen produzieren Kleidung. 80% sind Frauen.

Quelle

Der Grossteil der Arbeiter:innen lebt in Armut..

Quelle

Arbeiter:innen in der Textilindustrie leben oft in moderner Sklaverei.

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Mehrere Studien zeigen, dass die Verbraucher ihre Kaufpräferenzen an den ökologischen und sozialen Auswirkungen orientieren. Die Behauptung, grün und sozial zu sein, ist eine Strategie, die viele Unternehmen verfolgen. Zara, H&M und ASOS wurden beschuldigt, die Verbraucher mit unbegründeten Behauptungen
die Irre zu führen.

In diesem Kontext bedeutet nachhaltige Mode Differenzierung und Wettbewerbsvorteil für diese Unternehmen.

Viele Versprechen der nachhaltigen Mode werden nicht eingehalten.

Das Problem liegt in der fehlenden Transparenz der Herkunft von Modeartikeln.

Vielleicht wurde die Baumwolle für das Hemd, das du gerade gekauft hast, von einem Kind in Usbekistan gepflückt oder von einem Uiguren in einem Konzentrationslager unter Zwangsarbeitsbedingungen genäht.

Vielleicht wurde auch ein Dschungel abgeholzt, um die Baumwolle anzupflanzen, aus der das Hemd hergestellt wurde. Diese sehr wichtige Information wird nicht auf dem Etikett des Kleidungsstücks erscheinen.

Jedes Jahr veröffentlicht «Fashion Revolution» den Fashion Transparency Index Tracing, der die Informationen der weltweit grössten Modemarken zu den Menschenrechten und der Umweltpolitik in ihren Lieferketten untersucht.
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Dem Bericht zufolge legt eine Minderheit der Modemarken konkrete Informationen offen, die ihre Behauptungen zur Nachhaltigkeit untermauern. Dazu gehören die Anzahl der Arbeiter, die tatsächlich einen existenzsichernden Lohn erhalten, das Produktions- und Abfallvolumen oder der Einsatz von Chemikalien in ihren Lieferketten. Obwohl die Modemarken Nachhaltigkeit versprachen, stornierten sie als Reaktion auf die Lockdowns und die Angst vor einem Gewinnrückgang im Jahr 2021 Aufträge im Wert von 40 Milliarden US-Dollar.
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Während der Pandemie liessen die grossen Marken viele der ohnehin gefährdeten Arbeiter unter katastrophalen Bedingungen im Stich, ohne Geld für Grundbedürfnisse wie Nahrung und Unterkunft.

Jedes Jahr zwingt die usbekische Regierung 1,5 bis 2 Millionen Schulkinder im Alter von neun Jahren, zwei Monate lang die Schule zu schwänzen, um bei der Baumwollernte zu helfen. Sie pflücken jeden Tag Baumwolle vom frühen Morgen bis zum Abend. Die Kinder leben unter unmenschlichen Bedingungen – in ungeheizten und düsteren Feldhütten. Sie werden häufig krank und erhalten nur wenig oder gar keinen Lohn. Hunger, Erschöpfung und Schwächeanfälle sind keine Seltenheit. Die Schulkinder müssen tägliche Erntequoten von bis zu 50 Kilogramm Baumwolle vorweisen. Sie werden geschlagen oder ihnen drohen schlechte Noten oder der Schulverweis, wenn sie ihre Quote nicht erfüllen oder minderwertige Baumwolle pflücken.
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Warum produzieren wir als gemeinnützige Organisation nachhaltige Mode?

«[…] Der Index hilft Ihnen dabei, Marken und Einzelhändler für ihre Behauptungen zur Rechenschaft zu ziehen».Carry Somers, Mitgründerin, Fashion Revolution S. 23

Wenn Transparenz ein Schlüsselkriterium ist, um faire und nachhaltige Mode zu gewährleisten, dann ist ein gemeinnütziger Ansatz die beste Lösung.
Und das aus folgenden Gründen:

  • 1

    Weil gemeinnützige Organisationen ihre Jahresabschlüsse veröffentlichen müssen,einschliesslich der Gehälter des Managements und der Information, was mit dem erwirtschafteten Geld geschieht.

  • 2

    Die Daseinsberechtigung einer gemeinnützigen Organisation ist sozialer Natur. Die Logik verhält sich im Vergleich zu Sozialunternehmen oder nachhaltig orientierten Unternehmen also umgekehrt. Die Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeitnehmer oder die Erhaltung der Umwelt sind keine sekundären Ziele, sondern ihre Daseinsberechtigung.

  • 3

    NPO gehören niemandem. TEs besteht daher kein Interesse daran, Aktionäre oder Investoren zu entlohnen. NPO haben auch nicht das Recht, Kredite aufzunehmen. Bei Auflösung einer NPO sollten ihre Vermögenswerte an eine andere NPO übergehen.

  • 4

    Letztendlich fliesst alles in das Projekt zurück. In NPO gibt es keine Gewinnausschüttungen oder Dividenden an die Aktionäre. Sie investiert alle Gewinne in die Lösung sozialer Probleme, um die sich die Regierungen nicht kümmern, z. B. Hunger, Zugang zu sauberem Wasser, Gleichstellung der Geschlechter, Rassismus, Bildung (die Liste liesse sich beliebig fortsetzen).

  • 5

    Um Gutes zu tun, braucht man Profis Einer Gemeinschaft zu dienen, erfordert Zeit und vor allem einen professionellen Ansatz, um zu verstehen, welche Massnahmen zuerst zu ergreifen sind und welche die grösste Wirkung und Akzeptanz haben. Ist das Modell «Buy-one-give-one» wirklich eine gute Idee? Beispiel: Bei jedem Kauf eines Produkts Schuhe an bedürftige Kinder zu verschenken. Kritiker sagen, dass das Verschenken von Produkten die lokalen Märkte kaputt macht, da die Einheimischen nicht mit den kostenlosen Produkten konkurrieren können.
    Quelle

    Ausserdem ist erwiesen, dass die Menschen kostenlose Produkte nicht schätzen.

  • 6

    Ein weiteres Beispiel für eine missglückte gute Absicht ist ein Sozialunternehmen in Kolumbien, das eine Plastikwasserflasche für den Kauf einer Tasche anbietet. So kostbar das Wasser in dieser Region auch ist: Was sollen die Einheimischen mit den vielen kostenlosen Plastikwasserflaschen anfangen, die sich ansammeln, nicht recycelt werden und ihrerseits ihre Umwelt verschmutzen?

  • 7

    Demokratie! Eine gemeinnützige Organisation wie ein Verein bietet allen an der Marke interessierten Personen die Möglichkeit, sich als Mitglieder aktiv zu beteiligen. Ein Vorstand, dessen Mitglieder demokratisch gewählt werden, bestimmt die strategische Ausrichtung der Marke. In unserem Fall organisieren indigene Frauen regelmässig Treffen und diskutieren über den Produktionsprozess und die Bedürfnisse innerhalb der Gemeinschaft, auf die wir als Organisation reagieren wollen.

    Zum Beispiel den Wiederaufbau einiger Häuser nach dem Wirbelsturm Iota im Dezember 2020, den Bau von Wasserbrunnen oder den einer neuen Werkstatt in Venezuela.

  • Wenn es bei nachhaltiger Mode also um grössere ökologische Integrität und soziale Gerechtigkeit geht, geht es bei einer gemeinnützigen Organisation genau darum und noch mehr.